Sondermautstrecken in den Alpen: Tunnel, Pässe und Brücken mit zusätzlichen Gebühren

Markus Feldmann

Markus Feldmann

24 Juni 2026

9 Minuten Lesezeit
Sondermautstrecken in den Alpen: Tunnel, Pässe und Brücken mit zusätzlichen Gebühren

Sondermautstrecken in den Alpen: Tunnel, Pässe und Brücken mit zusätzlichen Gebühren

Wer mit dem Auto durch Österreich reist, kennt die Vignette – jene Klebemarke oder digitale Berechtigung, die zur Nutzung der Autobahnen und Schnellstraßen berechtigt. Was viele Reisende jedoch überrascht: Auf einigen der wichtigsten Alpenübergänge reicht die Vignette allein nicht aus. Hier kommen die sogenannten Sondermautstrecken ins Spiel – zusätzliche Gebühren für Tunnel, Passstraßen und Brücken, die separat bezahlt werden müssen.

Ob Sie in den Sommerurlaub nach Italien fahren, einen Skitrip nach Tirol planen oder geschäftlich durch die Alpen müssen – dieser umfassende Guide hilft Ihnen, alle Kosten im Voraus zu kennen und unangenehme Überraschungen an der Mautstelle zu vermeiden.


Was sind Sondermautstrecken und warum gibt es sie?

Sondermautstrecken sind Straßenabschnitte, für die über die reguläre Autobahnmaut (Vignette) hinaus eine zusätzliche Gebühr erhoben wird. Diese Strecken befinden sich typischerweise an aufwendigen Infrastrukturprojekten wie:

    • Tunnel durch Gebirgsmassive
    • Passstraßen über alpine Höhen
    • Brücken und Viadukte über tiefe Täler
    Der Grund für die Zusatzgebühr liegt auf der Hand: Der Bau und die Instandhaltung dieser Bauwerke verschlingen enorme Summen. Der Brenner Basistunnel beispielsweise ist eines der teuersten Infrastrukturprojekte Europas. Die Mauteinnahmen fließen direkt in den Erhalt, die Sicherheit und den Betrieb dieser lebenswichtigen Verkehrsadern.
    Wichtig zu wissen: Die Vignette berechtigt Sie zur Nutzung des regulären Autobahn- und Schnellstraßennetzes. Sondermautstrecken erfordern immer eine zusätzliche Zahlung – unabhängig davon, ob Sie eine gültige Vignette besitzen.

    Die wichtigsten Sondermautstrecken in Österreich im Überblick

    Österreich verfügt über insgesamt acht Sondermautstrecken, die von der ASFINAG betrieben werden. Hier finden Sie eine detaillierte Übersicht über jede einzelne Strecke.

    1. Brenner Autobahn (A13)

    Die Brenner Autobahn ist wohl die bekannteste Sondermautstrecke und die wichtigste Nord-Süd-Verbindung zwischen Österreich und Italien. Sie führt von Innsbruck über den Brennerpass (1.370 m) bis zur österreichisch-italienischen Grenze.

    • Streckenlänge: ca. 35 km
    • Tarif PKW (2024): ca. 11,50 € (einfache Fahrt)
    • Besonderheit: Auf italienischer Seite fallen zusätzliche Mautgebühren an
    • Zahlungsmöglichkeiten: Bar, Kreditkarte, GO-Box
    Tipp: In der Ferienzeit – besonders an Samstagen im Juli und August – kann es am Brenner zu erheblichen Staus kommen. Planen Sie Ihre Reisezeit entsprechend.

    2. Tauern Autobahn (A10) – Tauerntunel

    Der Tauerntunnel auf der A10 zwischen Salzburg und Villach ist ein 6,4 km langer Tunnel, der die Hohen Tauern durchquert. Er ist Teil der wichtigsten Verbindung von Deutschland über Salzburg in Richtung Kärnten und weiter nach Slowenien oder Italien.

    • Tunnellänge: 6.401 m
    • Tarif PKW (2024): ca. 13,50 € (einfache Fahrt) / ca. 23,00 € (Hin- und Rückfahrt)
    • Besonderheit: Rückfahrtkarten sind deutlich günstiger als zwei Einzelfahrten
    • Verkehrsaufkommen: Besonders hoch an Wochenenden und Feiertagen

    3. Tauern Autobahn (A10) – Katschbergtunnel

    Ebenfalls auf der A10 gelegen, befindet sich der Katschbergtunnel südlich des Tauerntunnels. Beide Tunnel werden häufig zusammen befahren.

    • Tunnellänge: 5.898 m
    • Tarif PKW (2024): ca. 13,50 € (einfache Fahrt)
    • Besonderheit: Kombitickets für Tauern- und Katschbergtunnel verfügbar
    Spartipp: Wenn Sie sowohl den Tauern- als auch den Katschbergtunnel durchfahren, lohnt sich ein Kombiticket. Dieses ist günstiger als der Kauf zweier Einzeltickets und kann direkt an der Mautstelle erworben werden.

    4. Arlberg Schnellstraße (S16) – Arlbergtunnel

    Der Arlbergtunnel verbindet Tirol mit Vorarlberg und ist mit einer Länge von fast 14 km einer der längsten Straßentunnel Österreichs.

    • Tunnellänge: 13.972 m
    • Tarif PKW (2024): ca. 11,50 € (einfache Fahrt)
    • Alternative: Der Arlbergpass (offen ca. Juni bis November) ist mautfrei, aber deutlich länger und kurvenreicher
    • Wintersperre Pass: Der Arlbergpass ist im Winter gesperrt – der Tunnel ist dann die einzige Option

    5. Pyhrn Autobahn (A9) – Bosrucktunnel

    Der Bosrucktunnel auf der A9 verbindet Oberösterreich mit der Steiermark und ist Teil der Route von Linz nach Graz.

    • Tunnellänge: 5.500 m
    • Tarif PKW (2024): ca. 6,50 € (einfache Fahrt)

    6. Pyhrn Autobahn (A9) – Gleinalmtunnel

    Weiter südlich auf der A9 befindet sich der Gleinalmtunnel, der ebenfalls eine Sondermaut erfordert.

    • Tunnellänge: 8.320 m
    • Tarif PKW (2024): ca. 10,00 € (einfache Fahrt)

    7. Karawanken Autobahn (A11) – Karawankentunnel

    Der Karawankentunnel verbindet Österreich (Kärnten) mit Slowenien und ist eine der wichtigsten Verbindungen in Richtung Südosteuropa.

    • Tunnellänge: 7.864 m
    • Tarif PKW (2024): ca. 7,90 € (einfache Fahrt)
    • Besonderheit: Die Maut wird nur in eine Richtung erhoben (Fahrtrichtung Slowenien)

    8. Felbertauernstraße (B108)

    Die Felbertauernstraße ist eine Bundesstraße, die als Alternative zur Tauernautobahn dient und Salzburg mit Osttirol verbindet.

    • Streckenlänge: ca. 36 km
    • Tarif PKW (2024): ca. 12,00 € (einfache Fahrt)
    • Besonderheit: Keine ASFINAG-Strecke, sondern privat betrieben

    Zahlungsmöglichkeiten an Sondermautstellen

    Die Bezahlung an den Mautstellen ist in der Regel unkompliziert. Folgende Zahlungsmethoden stehen Ihnen zur Verfügung:

    • Bargeld (Euro) – wird an allen Stellen akzeptiert
    • Kredit- und Debitkarten (Visa, Mastercard, Maestro)
    • GO-Box – das elektronische Mautsystem der ASFINAG, das vor allem für Vielfahrer und LKW relevant ist
    • Videomaut – an einigen Strecken können Sie die Maut vorab online bezahlen
    Empfehlung für Vielfahrer: Wenn Sie regelmäßig durch Österreich fahren, kann sich die Anschaffung einer GO-Box lohnen. Sie ermöglicht die automatische Abbuchung an allen Sondermautstellen und spart Zeit an den Mautstationen.

    Online-Vorabkauf

    Für einige Sondermautstrecken bietet die ASFINAG die Möglichkeit, die Maut vorab online zu bezahlen. Dies hat mehrere Vorteile:

    1. Zeitersparnis an der Mautstelle
    2. Planungssicherheit bei den Reisekosten
    3. Nutzung der Videomaut-Spur (schnellere Durchfahrt)
    Den Online-Kauf können Sie über die Website der ASFINAG oder über die ASFINAG-App abwickeln.

    Praktische Tipps für Ihre Alpenüberquerung

    Damit Ihre Reise durch die Alpen reibungslos verläuft, haben wir die wichtigsten Praxistipps zusammengestellt:

    Reiseplanung und Kostenberechnung

    • Kalkulieren Sie alle Mautkosten im Voraus: Nutzen Sie den Mautrechner auf der ASFINAG-Website, um die Gesamtkosten Ihrer Route zu ermitteln
    • Rückfahrtkarten nutzen: Wenn Sie dieselbe Strecke zurückfahren, sparen Sie mit Hin- und Rückfahrtickets bis zu 30%
    • Gültigkeitsdauer beachten: Rückfahrtkarten sind in der Regel ein Jahr gültig

    Alternativen zu Sondermautstrecken

    Nicht immer müssen Sie die mautpflichtigen Tunnel nutzen. Es gibt häufig mautfreie Alternativen:

    | Sondermautstrecke | Mautfreie Alternative | Mehrzeit |
    |—|—|—|
    | Arlbergtunnel | Arlbergpass (Sommer) | ca. 30 Min. |
    | Tauerntunnel | Tauernpass/Radstädter Tauern | ca. 45 Min. |
    | Brenner Autobahn | Bundesstraße über den Brenner | ca. 60 Min. |

    Beachten Sie: Viele Passstraßen sind im Winter gesperrt. Informieren Sie sich vor der Fahrt über die aktuelle Straßenlage.

    Sicherheit in Alpentunneln

    Die Sicherheit in den langen Alpentunneln hat höchste Priorität. Beachten Sie folgende Regeln:

    • Abblendlicht einschalten (auch tagsüber)
    • Sonnenbrille abnehmen vor der Tunneleinfahrt
    • Mindestabstand einhalten – mindestens 50 Meter zum Vordermann
    • Radio einschalten – im Notfall werden Durchsagen über die Tunnelfrequenz gesendet
    • Bei Stau im Tunnel: Motor abstellen, Warnblinker einschalten, im Fahrzeug bleiben
    • Notausgänge beachten – merken Sie sich die Position der Notausgänge

    Sondermaut für Wohnmobile, Gespanne und Motorräder

    Die Mautgebühren variieren je nach Fahrzeugkategorie. Grundsätzlich gilt:

    • Motorräder zahlen in der Regel einen reduzierten Tarif (ca. 50-70% des PKW-Tarifs)
    • PKW mit Anhänger/Wohnwagen zahlen häufig den doppelten PKW-Tarif
    • Wohnmobile über 3,5 t fallen unter die LKW-Maut und benötigen eine GO-Box
    Achtung Wohnmobil-Fahrer: Prüfen Sie vor der Reise, ob Ihr Fahrzeug unter die PKW- oder LKW-Kategorie fällt. Die Gewichtsgrenze liegt bei 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Bei Überschreitung benötigen Sie eine GO-Box statt einer Vignette.

    Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

    Immer wieder passieren Reisenden an Sondermautstrecken vermeidbare Fehler:

    1. Keine Vignette trotz Sondermaut: Die Sondermaut ersetzt nicht die Vignette! Sie benötigen beides – die Vignette für die reguläre Autobahn und die Sondermaut für den jeweiligen Tunnel oder Pass.
    1. Falsche Spur an der Mautstelle: Achten Sie auf die Beschilderung. Es gibt separate Spuren für Bargeld, Karten und GO-Box/Videomaut.
    1. Unzureichend Bargeld: Obwohl Kartenzahlung fast überall möglich ist, empfiehlt es sich, etwas Bargeld dabei zu haben – für den Fall technischer Störungen.
    1. Wintersperre der Passalternativen nicht beachtet: Wer im Winter die mautfreie Passstraße nutzen möchte, steht möglicherweise vor einer gesperrten Straße.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick 2025

Die ASFINAG modernisiert kontinuierlich ihre Mautsysteme. Folgende **Entwickl

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